Wir machen Urlaub

St. Cruz de la Sierra, Samaipata (05.08 - 13.08.2002)

Na gut. Weil es eben dazugehoert. Doch noch eine paar Worte zu St. Cruz. Vor 5 Jahren sind wir auf unserer Flugodysee nach La Paz auch in St. Cruz zwischengelandet. Wir wussten damals weder wie der Ort heisst, noch wo er liegt und warum wir hier jetzt noch landen sollen. Heute sind wir aelter und weiser, obwohl noch keine 40. St. Cruz ist die zweitgroesste Stadt Boliviens und DAS Wirtschaftszentrum. Die Stadt wirkt reich und westlich. Und sie praesentiert sich zumindest fuer den kurzfristigen Besucher stinklangweilig. Topfeben, nichts zu besichtigen und abends um neun findet man keinen Menschen mehr auf der Strasse - ausser auf der Plaza. Das beste ist vielleicht das Klima - sonnig und heiss. Ein riesiger Unterschied zu La Paz. Genug gemotzt. Die Cafes mit kuenstlichen Wasserfaellen und Torta Selva Negra (Schwarzwaelder Kirschtorte) gibts bestimmt sonst nirgendwo. Am 06. August ist Nationalfeiertag und wir verfolgen die Parade aller Berufsstaende. Verwaltungsangestellte, Lehrer, Busfahrer, Sicherheitsdienste usw. haben sich in jeweils einheitliche Schale geschmissen und ziehen an den Wichtigen von Stadt und Land vorbei. Aber so eine richtige Fiesta wird daraus nicht. Wir sind urlaubsreif und fahren fuer zwei Tage aufs Land.

Samaipata sollte den Altlinken unter uns ein Begriff sein. Che Guevara hat 1967 in Samaipata seinen einzigen militaerischen Erfolg in Bolivien erzielt. Heute erleben wir dort die Befreiung des Kapitals von den Zwaengen der Bankkonten. Um den Ort herum liegen unzaehlige protzige Ferienhaeuser superreicher Bolivianer. Haben wir gerade unbemerkt die Grenze zur Schweiz ueberschritten? Dazu kommt eine rege Gemeinde von Exileuropaern (v.a. Hollaender, Oesterreicher, Deutsche), die die gruenen Berge und das sonnige Klima in ihr Leben fest eingebunden haben. Wir steigen im Landhaus ab. Schliesslich wollen wir ja auch aufs Land und Kathrin war aus dem dazugehoerigen Toepferladen kaum mehr loszueisen.

Kurz noch was vorneweg. Einige der folgenden Saetze verstehen wahrscheinlich nur eingefleische Allgaeu-Urlauber oder heimwehanfaellige Langzeitreisende. Schliesslich wollten Kathrin und Martin ja freiwillig nach Suedamerika...

Wir haben uns ein wunderschoen eingerichtetes Zimmer mit eigenem Bad gegoennt. Vor der Tuer baumelten bereits die Haengematten im gruenen Garten, der eiskalte Pool wartete auf den ersten Mutigen und auf der Tischtennisplatte haben wir zum ersten Mal seit Freibadkinderzeiten mal wieder gespielt. Die Besichtigungstour mit dem Hausherrn Georg fuehrte uns in seine open-air Schlosserei, in Helgas Toepferei, zur Kakteenzucht und in die Sauna. Wir wollten mit ihm tauschen, auf jeden Fall aber einen Tag bleiben.

Aus dem einen Tag sind dann fuenf geworden. Und beinahe noch mehr.

Den ersten Abend haben wir quasi zur Einfuehrung mit Georg verbracht. Zuerst in der Classic-Rock Bar Moskito seines Sohnes Sven. Dann in der bolivianischen Trucker-Kneipe an der Hauptstrasse und zum Schluss auf der Fiesta in der Markthalle. Aber der Reihe nach. Genau wie schon in Rurre wollten wir auch diese Moskito-Bar mit nach Deutschland nehmen. Urgemuetlich und saugute Musik. Und wie schon vergangenes Jahr auf La Palma haben wir erfahren duerfen, dass Deutsche im Ausland eine ganz anderes Lebensgefuehl haben. Fuer Spass und Lebensfreude spielt Alter hier wohl kaum eine Rolle. Georg freut sich auf seine Rente in einigen wenigen Jahren... Als wir dann gegen zwoelf die Bar verlassen, begann der Kulturteil der Nacht. Was machen bolivianische Bus- und LKW-Fahrer in ihren Pausen? Sie trinken te-con-te und kauen Kokablaetter. Da haben wir uns dazugesetzt, mitgemacht und Daniel kennengelernt. Er hat uns erklaert, dass unser te viel zu teuer waere. Denn er bezahlt fuer seine Mischung aus Schwarztee mit reinem Alkohol nur 1 Bs. und unsere Tee/Singani Mischung kostet ganze 2 Bs. bei nur halb so viel Alkohol (7 Bs. = 1 EUR). Wir erinnern uns, Fernfahrer machen hier Pause. Deshalb kauen die wohl auch Koka zum Ausgleich. Nebenher ist Daniel noch der groesste Beatles-Fan Boliviens. Fast eine Stunde lang hat er uns wiederholt und eindringlich aufgefordert, doch irgendeine Beatles-CD fuer ihn zu brennen. Abgeschlossen haben wir die Nacht dann in der Markthalle. Die Fiesta lag in den letzten Zuegen aber es gab noch warme Gemuesesuppe. Um vier Uhr war der einzig nuechterne Georgs Suzuki und wir fielen ins Bett. Im Urlaub darf man aber ausschlafen. Am naechsten Tag hatten wir den Eindruck, der Ort kennt uns. Die Bestaettigung am Abend von Sven. Er hatte durch seine Frau bereits am Morgen von unserer Tour erfahren. Wir sind eben auf dem Land.

In den 5 Tagen kommen wir nur 2 mal unserer Touristenpflicht nach. Die praekolumbianische Ausgrabungsstaette El Fuerte haelt Erich von Daeniken fuer eine UFO-Abschussrampe und unser Reisefuehrer fuer eine Inkakultstaette. Den Berg hoch gehts im Taxi, die Wanderung nach Hause verkuerzt uns ein bolivianischer Ausfluegler, der auf der Pritsche seiner Familien-Camionetta zuerst uns einen Platz anbietet und dann auf dem Weg ins Dorf alle Gringos des Weges dazulaedt. Wann passiert so was schon mal zu Hause? Als weiteren Event schaffen wir gerade noch eine Halbtagesbergbesteigung mit anschliessendem Spaziergang durch die Ferienvillen.

Sonst verbringen wir die Tage groesstenteils in der Haengematte und am Pool. Es gab stapelweise Spiegel-Exemplare um die Nachrichten von 2001 aufzuarbeiten und deutsche Buecher zu lesen. Wir sind jetzt bei Hemmingway! Abends hatten wir dann die Qual der Wahl zwischen Kaesspaetzle, Gulasch, Maultaschen und badischem Kartoffelsalat. Rouven, auch ein Sohn Georgs, ist gelernter Koch vom Bodensee. Wir machen Urlaub vom Urlaub.

Und beinahe fangen wir an zu arbeiten. Die Internetseite des Landhauses haette eine Ueberarbeitung noetig un die Angebote fuer uns werden immer besser. Am Montag besprechen wir beim Fruehstueck schon die Inhalte, bis wir auf ein Problem stossen. Der Zugriff auf den Server ist nicht herzustellen und so wird aus einem Arbeitstag wieder ein Urlaubstag. Eigentlich schade. Haette uns richtig Spass gemacht. WWW.SAMAIPATA.COM bleibt erst mal so wie sie war.