Bolivien Abschiedstour

St. Cruz de la Sierra bis Quijarro (16.08. - 17.08.2002)

"Wenn alle so arbeiten wuerden, wie wir in St. Cruz, dann gaebe es in Bolivien keine Armut". Mit dem Selbstbewusstsein eines stolzen Crucenos bringt uns am Nachmittag froehlich gelaunt ein Taxifahrer in seinem 20 Jahre alten klapprigen Lada-Taxi zum Bahnhof. Der Bahnsteig ist voller Menschen und es sieht so aus, als ob dieses mal tatsaechlich ein Zug fahren wuerde. So ist es auch. Fahrplanmaessig um Punkt 15.30 Uhr geht es los. Das haben wir bei Zuegen in Suedamerika so noch nie erlebt. Es geht am Messegelaende vorbei durch die Vororte von in eine flache gruene Weidelandschaft. Die Palmen in der untergehenden Sonne passen auf jede Fototapete und trotz offener Fenster bilden sich Sturzbaeche auf der Haut.

Am Stadtrand haben die oertlichen Verkehrsplaner leider vergessen, die Tempo-30-Zone wieder aufzuheben. Unser Rapido (Schnellzug) schaukelt in gemaechlichem Schrittempo durch die Welt. Auf den folgenden 600 km aendert sich daran nicht viel.

Fuer die Bewohner der vielen Haltestellen ist der taegliche Zug ein Event. Heerscharen von Haendlerinnen verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit uns Passagieren und noch mehr sparen sich die Fernsehgebuehren. Zug-Gucken ist ein gesellschaftliches Ereignis, zu dem man sich mit Freunden vor der Huette versammelt, die Gartenstuehle zu den Gleisen hin ausrichtet und interessiert dem taeglichen Zug folgt.

Wir fahren mit mehr oder weniger Schlaf durch eine lange Nacht und durch einen noch laengeren Morgen. Mit nur 3 Stunden Verspaetung erreichen wir fast puenktlich die braslianische Grenze bei Quijarro. Wir verlassen Bolivien mit einem zuversichtlichen "Con Goni, si, se puede!" und einem entschiedenen "No gas por Chile!". Machts gut. Wir kommen bestimmt wieder in dieses freundliche Land.