Wasser von allen Seiten

Foz do Iguacu (29.08 - 02.09.2002)

Mittwoch nachmittag in der Millionenstadt Foz do Iguazu. Der Busfahrer setzt uns an der vierspurigen Hauptstrasse quasi aus. Gegenueber eine Tankstelle und eine Open-Air Bar, hinter uns Hochhaeuser - wir fuehlen uns etwas verloren. Dabei ist es doch gar nicht schwer. Wir haben einen Uebernachtungstip aus Neuseeland, eine Telefonkarte aus Amerika und einen Taxifahrer aus Brasilien. In einer gemeinsamen Anstrengung finden wir die Pension und werde4n herzlich aufgenommen. Evelina adoptiert ihre Gaeste auf den ersten Blick. Wir sind mal wieder angekommen. Prompt werden wir am Abend zu brasilianischem Bohneneintopf eingeladen und bekommen handgeschriebene Detailplaene fuer die Wasserfallbesichtigung. Nach den einsamen Tagen in Paraguay geniessen wir dann auch mal wieder die Gespraeche mit unseren "Reisekollegen". Schoene Orte scheinen nette Menschen anzuziehen.

Wasserfall zum Ersten: die brasilianische Seite. Im Gegensatz zum Wasserfall in Urach braucht man fuer die Cataratas do Igaucu zwei Tage. Am ersten Tag gibt es den Ueberblick vom brasilianischen Ufer. Vom Nationalparkeingang geht es im offenen Doppeldeckerbus noch einige Kilometer bis zum wunderschoen kitschigen Hotel in rosa Kolonialstil. Wenn wir mal alt sind, ziehen wir dort ein... Dann ca. eine Stunde lang mit japanischen Touristengruppen, brasilianischen Schulklassen und Herden von hungrigen Nasenbaeren an der Schlucht des Rio Iguacu entlang. Es bieten sich fantastische Ausblicke auf ein Gebiet mit hunderten von Wasserfaellen gekroent von unzaehligen Regenboegen. Die REise hat sich gelohnt und am Ende finden wir noch Papicks Pom de Quescho (Lautschrift!) zur Staerkung.

Den Nachmittag verbringen wir im benachbarten Vogelpark. Dort gibt es wahrscheinlich alle Papageienarten der Welt aus der Naehe. Am beeindruckendsten ist das grosse, begehbare Gehege mit mind. 15 grellbunten Paerchen riesiger Aras.

Und was fehlt noch zu einem perfekten Ausflugstag im Sommer? Eine Eisdiele. Die finden wir in der Stadt, schraeg gegenueber des Platzes, an dem wir uns am Vortag so verloren fuehlten. Fuer Martin gibt es kein Eis, sondern eine Sopa nao Pao - eine kraeftige Kartoffel-Gemuese-Suppe serviert IN einem frischen Bauernbrot. Muessen wir zu Hause mal mit Brot vom Wendlinger (unserem Baecker) probieren.

Am zweiten Tag geht es auf die andere Seite nach Argentinien. Dort verbringen wir den ganzen Tag auf unterschiedlichen Wegen, Pfaden und Bruecken. Der Unterschied zu Brasilien: dort hatten wir den Ueberblick, hier sind wir mittendrin. Mit Stegen kommen wir von unten und von oben bis ans Wasser ran. Ganz schoen feucht. Und erst recht feucht ist die Bootsfahrt, die uns wirklich in die Gischt der Faelle fuehrt. Zwischendurch bedrohlich und am Ende steigen wir wie begossenen Pudel aus dem Schlauchboot. Den Hoehepunkt aber gibt es stilecht zum Schluss. Auf einem langen Steg erreichen wir den Abgrund des groessten Wasserfalles (Garganta del Diabolo). Das Wasser faellt hier in einer riesigen Gischtwolke mind. 50 m und dabei sah der Fluss oben so friedlich aus. Wir stellen uns den Missionar im Kanu vor...

Unsere Abfahrt am Sonntag klappt dann nicht planmaessig. An den Wasserfaellen haben wir unsere zu Hause ausgedachte Suedamerikaroute abgefahren und muessen feststellen, dass wir nur an schoenen Orten ernsthaft planen koennen. Der Tag in Asuncion zaehlte nicht dazu. Also noch mal intensiv. Geben wir unserer Neugier nach Brasilien nach, folgen wir den verheissungsvollen Erzaehlungen von Rio und den Straenden, fliegen wir nach Manaus an den Amazonas oder bleiben wir unserer urspruenglichen Nordargentinien/Chile-Route treu? Die Entscheidung dauert ein paar Stunden und es bleibt doch alles wie vorher angedacht. Wir sparen uns Brasilien fuer spaetere Reisen mit vorigem Sprachstudium auf und biegen nach Sueden ab. Nach so viel Kopfarbeit belohnen wir uns im bekannten Eiscafe.