Hier bleiben wir nicht!

Cordoba, Capilla del Monte, San Juan, Mendoza (08.09. - 18.09.2002)

Nein! Hier bleiben wir nicht! Cordoba um 14.00 Uhr. Die zweitgroesste Stadt Argentiniens tut alles, um uns schnell wieder loszuwerden: Sonntag, Siesta, Hochhaeuser, Wellblechbuden. Nach der Siesta sieht die Welt dann freundlicher aus. Buechermarkt, schattige Fussgaengerzone und ein lebhaftes Einkaufszentrum unterhalten uns praechtig.

So haben wir uns das nicht vorgestellt! Wir gehen! Bei Sierra de Cordoba denken wir an eine Mischung aus Schwarzwald und Schwaebischer Alb. In Capilla del Monte warten dagegen trockene Berghuegel in einem weiten trockenen Gestruepptal auf uns. Der Schinnken-Kaese-Toast bringt keine Erleuchtung. Schliesslich bleiben wir und es werden drei schoene Tage. In der Hospedaje de las Nubes (dabei hat es fast gar keine Nubes=Wolken) brennt abends das Holzfeuer fast nur fuer uns alleine und Fruehstuck gibt es in einem sonnigen Eck. Als Vorgeburtstagsausflug besteigen wir den Cerro Uritorco (immerhin 1.900 m) in Rekordzeit und heilen unseren Muskelkater durch Nichtstun an einem friedlichen 11. September fernab der grossen Welt. Von Capillas suessen Alfajores kann man kugelrund werden, vor dem Kamin mit Kaese, Salami und Wein einschlafen und zum Ueberleben wird Schinken-Kaese-Toast zum Klassiker. Aber wir hatten uns das ja anders vorgestellt.

Das folgende auch... Statt flachen gruenen Rinderweiden durchqueren wir in Richtung der Anden flache, graue Wueste. Bis zum Horizont und weiter. Und in San Juan sollten dann die Weinberge kommen. Es gibt aber keine Berge. Wein schon. Im Hotel am Busbahnhof wollten wir dann natuerlich auch nicht lange bleiben. Erst nach der Besichtigung eines teureren Stadthotels wussten wir, was wir an unserer Herberge Gutes hatten. Auch hier wurden es drei Naechte. Gut - die Nachbarn am Freitag waren laut und ausdauernd.

Von San Juan auf den Mond! Nach dem Valle de la Luna in La Paz wollten wir uns ein richtig grosses Mondtal anschauen. Statt mit Apollo gings mit Alejandro und einer argentinischen Wochenendreisegruppe im Bus durch die Wueste. Zwei Nationalparks fuer Gesteins- und Saurierfreunde an zwei Tagen. Dazu zwei Parillas fuer Nicht-Vegetarier und Argentinier. Parilla? Das ist das, was Argentinier unter Essen verstehen. Gegrilltes Fleisch ohne Ende mit etwas Salat und einer Empanada (natuerlich hackfleischgefuellt) als Vorspeise. Dazu Rotwein. Und das ganze zu gesunden Essenzeiten direkt vor der opitmalen naechtlichen Verdauungspause. So gegen 23.00 Uhr. Und am Sonntag kommt dann der eigentliche Festtagsbraten. Morgens bestellt, mittags geschlachtet, abends gegessen - eine Ziege fuer sage und schreibe 20 EUR. Wir hatten das schon...se come bien, mucho y barato.

In Mendoza wollte nwir dann tatsaechlich bleiben. Argentiniens wichtigste Weinregion hat zwar immer noch keine Weinberge, dafuer Wein-Bodegas vor der Kulisse schneebedeckter Andenberge, viel Einzukaufen und Strassen mit frisch gruenen Baeumen. Jaaaa - es wird Fruehling. Zum zweiten mal in diesem Leben aeh Jahr. Schon seltsam fuer September.

Fuer Spannung in Mendoza sorgt der 3.100 m hohe Andenuebergang nach Chile. Abends wird der Pass wegen Schnee geschlossen, dann am Folgetag wieder geoeffnet und der Wettergott entscheidet fuer wie lange. Wir duerfen drueber. Es ist saukalt dort oben - wir erinnern uns mit Schaudern an Bolivien - und der Aconcagua will sich nicht zeigen. Wahrscheinlich hat er Angst vor dem gruendlichen chilenischen Zoll. Na gut. Nach der gemaechlichen argentinischen Seite stuerzen wir uns dann in Chile den Hang hinunter. Das Land ist halt nicht so breit. Dafuer gruen und wir sind uns mal einig - ohne Gruen fehlt was.