Blaues Meer, bluehende Wiesen, schneebedeckte Berge und tiefe Taeler in Chile

Santiago de Chile, Talca, Valparaiso, Horcon (18.09. - 30.09.2002)

Zuerst zu den tiefen Taelern. Sie liegen im persoenlichen Bereich. Ohne regelmaessige Gespraeche Aerzten komme ich wohl nicht aus. Die Salbe aus Bolivien hat meine Probleme nicht geloest. In Santiago folgen jetzt drei Besuche der Clinica Alemana mit Schlussdiagnose: Allergie gegen irgendein Lebensmittel. Vor diesem Hintergrund ist jetzt wohl die richtige Zeit fuer einen Wechsel des Kontinents. Es druckt auf die Reisestimmung.

Dennoch ist es schoen hier. Fangen wir hinten an. Heute am 29. September sitzen wir am Pazifikstrand. In Horcon, einem winzigen Fischerdorf in der Gegend von Valparaiso. Der Himmel ist blau, das Meer glitzert, am Dorfstrand liegen mind. 20 farbige Fischerboote und unzaehlige Moewen und Pelikane streiten sich um die Fischreste des Morgens. Mittlerweile ist Ruhe eingekehrt. Am Morgen war geschaeftiges Treiben am Strand. Ein Fischkutter nach dem anderen kehrte vollbeladen von der naechtlichen Fahrt zurueck. Pferde zogen die Boote auf den Sandstrand, Fischer luden ihren Fang in die wartenden Kleinlaster, tranken Kaffee in der waermenden Sonne. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Beeindrucken lagen zwei riesige Tintenfische im Sand. Stolz zeigte uns der Fischer ihren papageienartigen Schnabel, ihre Zaehne an den Saugnaepfen und seine Narben im Arm. Es ist kein Badeparadies nach unseren Masstaeben aber ein lebendiges Dorf mit echten Fischern. Vor dem Herd steht Mama mit der Kuechenschuerze, die Tochter bedient, die Enkelin bestaunt Touristen, Martin passt kaum unter die Decke und in der Meeresfruechtesuppe schwimmen spannende Stuecke. Wir sind noch mal in Suedamerika.

Bei der Ankunft in Chile sah es schon so aus, als ob wir den Kontinent gewechselt haetten. Perfekte Strassen, gruene Weiden mit schwarz/weissen Kuehen, Ordnung und oft auch Sauberkeit. Die Preussen Suedamerikas machen ihrem Namen alle Ehre. Einige Autos halten sogar am Zebrastreifen und Teile von Santiago passen in jede europaeische Grosstadt. Nur die Kulisse der schneebedeckten 6000er gibt es nur hier.

Diese Kulisse verfolgt uns dann auf dem Weg nach Sueden. Ein Tip aus Bolivien fuerht uns zu einem deutsch-oesterreichischen Auswandererpaar nach Talca. Dank Vor-Saison sind wir die einzigen Gaeste und es geht locker-familiaer zu. Der Fruehling hat gerade begonnen. Apfelbaeume und Wiesenblumen bluehen, die Blaetter sind noch frisch-gruen und die Sonne kaempft sich durch den Morgennebel. Schon komisch im September. Wir spielen Versuchskaninchen fuer die Kanutouren von Neu-Reiseleiter Franz, bleiben bei der Bergtour im Schnee stecken, erleben die ersten Gehversuche des neugeborenen Lamas und waelzen Neuseelandreisefuehrer. Wir freuen uns auf den neuen Kontinent, auch wenn vom "alten" noch immer was fehlt.

Was in Chile nicht fehlen darf, ist die Kueste. Nach den beiden wenig erfreulichen Pazifikerlebnissen (verregnetes Mexiko im Juni 2002 und unfreiwillige Spende in Lima 1997) versuchen wir es ein drittes Mal. Und es bleibt schwierig. Valparaiso hat mit einem Paradies so gar nichts gemeinsam. Ciles wichtigster Hafen ist einzigartig. Aber schoen? Schoen ist das Haus des Literaturnobelpreistraegers Pablo Neruda mit Blick aus allen Zimmern auf die Hafenbucht und die Stadt. Schoen sind die Kneipen auf den Huegeln der Stadt. Schoen sind die Aufzuege, die zu diesen Huegeln hochfuehren. Und schon ist unsere Pension bei dem alten Ehepaar.

Alles andere als schoen ist der Weg nach Horcon. Vorbei an Raffinerien und Fabriken. Aber die Fischerromantik ist in Europa schon lange Geschichte. Und das macht den Ort richtig schoen.

Schlussbemerkung zur Fischerromantik: Selbst wenn ich mich trauen wuerde, zu fragen, ob sie mich mitnehmen wuerden...als Landratte traue ich mich bestimmt nicht um 3.00 Uhr morgens bei schwarzer Nacht in einem wackligen Holzboot ueber ein tiefschwarzes Meer zu fahren. Ich warte bis zum Fruehstueckskaffee im sicheren Hafen.