Eine Woche voller Sonn-Tage

Auckland, Waipu (04.10 - 11.10.2002)

Eigentlich ist es Freitag morgen, kurz vor 4 Uhr, als unser Flugzeug in Auckland landet. Nach 12 Stunden Flugzeit (oder eineinhalb Tagen, wenn man ueberlegt, dass wir am 2. losgeflogen und am 4. angekommen sind) stolpern wir etwas benommen aus dem Flieger. Die neuseelaendische Eingangskontrolle verlaeuft nicht annaehernd so spannend, wie uns das die vorher dagewesenen versprochen haben. Sie haben nicht mal unsere Wanderschuhe desinfiziert! In weniger als 5 Minuten werden wir mit einem freundlichen CHEERS (haben wir vor Neuseeland immer mit PROST uebersetzt, aber das hat der Zoellner bestimmt nicht gemeint) in das Touristeneldorado verabschiedet. Wir hoffen auf eine offene Flughafencafeteria und darauf, dass wir in zwei Stunden mit einem Bus in die Stadt fahren koennen. Was uns erwartet, verschlaegt uns die Sprache: die Touristeninfo ist geoeffnet (!), alle Backpackers (= Hotels fuer Nichtreiche) sind kostenlos und idiotensicher ueber eine Kurzwahlnummer zu erreichen, jede Touri-Nepp-Action-Transport- und sonst was Agentur stellt ihr buntverlockendes Heftchen zur Verfuegung und der Shuttle-Service faehrt in 15 Minuten. Wir sind baff. Auf so viel Service sind wir nach 5 Monaten Suedamerika nicht vorbereitet. Auf solche Touristenmassen auch nicht. Bei der Suche nach einem Bett fuer die Nacht haben wir den Suedamerika-Erfahrungsschatz gut gebrauchen koennen!

Was macht man morgens um halb sechs in einer dunklen Grosstadt, die man nicht kennt? Man bleibt da, wo man ist und beschaeftigt sich. So frueh haben wir noch nie E-Mails geschrieben. Mit den ersten Sonnenstrahlen halten wir es dann nicht mehr aus: Fruehstueck mit frischen Muffins und Milchkaffee, eine sonnige Hafenrundfahrt, Yachtbesichtigung bei Familie Superreich (leider nur von aussen), Bummeln, es war richtig schoen. Nur bloed, dass wir ab 15 Uhr kaum noch aus den Augen gucken koennen und um 19 Uhr mit letzter Kraft ins Bett fallen. Dafuer sind wir Samstag morgen um kurz nach 3 wieder topfit. Es dauert wohl ein bisschen, bis unser Koerper den Zeitwechsel verkraftet.

Auch Samstag scheint die Sonne. Wir gucken uns Pinguine und Haie im Meerwasseraquarium an, besteigen einen Inselvulkan mit Super-Blick auf Bucht und Hafen von Auckland und gehen abends richtig lecker essen. Dass uns beim Warten auf den Hauptgang vor Muedigkeit fast der Kopf auf die Tischplatte faellt - nun ja...

Sonntag morgen. Schon wieder Sonne. Und die zweite gute Nachricht: die neuseelaendische Sommerzeit beginnt! Das kommt unserem noch immer voellig verwirrten Schlafrhythmus sehr entgegen. Nach dem bekannt leckeren Fruehstueck telefonieren wir Autovermietungen ab und sind kurz nach 11 Uhr (da stehen andere Leute erst auf) stolze Mieter einer japanischen Reisschuessel. Die soll uns in den kommenden Wochen bis in den hintersten Winkel Neuseeland bringen. Nach so viel Stress verbringen wir den restlichen Tag im Nationalmuseum und auf einer Wiese im Park. Fruehling ist schoen.

Montag morgen. Na klar - die Sonne scheint. Jetzt gehts richtig los. Wir fahren an der Ostkueste entlang nach Norden.

EINSCHUB "Autofahren in Neuseeland"

Kiwis fahren links. Fuer den durchschnittlichen europaeischen Autofahrer (nehmen wir die Kollegen von der Insel mal aus) ist es eine ziemliche Herausforderung. Man schaltet mit der linken Hand (Gott sei Dank hat mich die Mietagentur nicht Ernst genommen, als ich nach einem Auto mit manueller Schaltung gefragt habe), die Hebel hinter dem Lenkrad sind anders herum, d.h. beim Blinken geht erst mal der Scheibenwischer an, jedes Abbiegen erfordert hoechste Konzentration, Kreisel faehrt man im Uhrzeigersinn und den Schulterblick macht man ueber die rechte Schulter. Trotz dieser Widrigkeiten findet sich der Fahrer nach einigen Stunden doch meist ganz gut zurecht. Ganz anders als der Beifahrer. Aus irgendwelchen Gruenden driftet das Auto bei ungeuebten Linksfahrern immer nach links. In Richtung Fahrbahnrand. Man sieht sich also staendig Auge in Auge mit den Fahrbahnbegrenzungspfosten, testet ab und an die Unebenheiten des Standstreifens, heizt ueber die Gullideckel am Fahrbahnrand und hat spaetstens kurz vor der ersten einspurigen Brueckenueberfahrt mit dem Leben abgeschlossen: "Da pass ich nicht mit drueber. Gleich knall ich gegen das Brueckengelaender!". Kurzum: als Beifahrer braucht an Nerven wie Drahtseile. Gluecklicherweise fahren wir abwechselnd. Das entspannt die Lage in jeder Hinsicht ziemlich.

Wir entdecken entlang der kleinen Schotterstrassen traumhafte Straende. Dank des spaerlichen Verkehrs faellt es fast nicht auf, wenn wir doch mal die falsche Fahrbahnseite erwischen.Abends landen wir per Zufall in einem wunderschoenen Backpackers, das fuer die kommenden 5 Tage unsere Heimat wird. Frank und Mary waren selber lange auf Reisen und haben ihre Erfahrungen in ihrem Backpackers umgesetzt. Es ist nicht nur super-gemuetlich, sondern es gibt auch alles, was einen Strand-Urlaub ausmacht: Kajaks, Ruderboote, Fahrraeder, Federballschlaeger, Gummistiefel, Tusche und Klarlack zum Muschelnbemalen, ein Volleyballnetz, Buecher, Spiele, Lagerfeuer, Franks unendliche Plattensammlung und so viele Wander- und Ausflugstips, dass man damit Waende fuellen kann (Auszuege haengen an den Waenden der Toilette - die Idee kam uns bekannt vor). Und so haben wir die naechsten, ausnahmslos sonnigen Tage verbracht - unterbrochen von einen paar Kurzausfluegen zum medizinischen Service nach Auckland. Aber das ist eine andere Geschichte.